Zum Inhalt springen

kleinStadtgespräche 2015

Achtes kleinStadtgespräch: Saubere Luft an der Feldbergstrasse...

... Feinstaub oder Tram - versticken oder verlärmen?

Annette Graupe, Amt für Umwelt und Energie begrüsst zum kleinStadtgespräch im Rahmen der Umwelttage 2015, bevor Martina Rutschmann, Moderatorin, den Anwohnenden auf den Zahn fühlt.

Wo drückt der Schuh an der Feldbergstrasse?

Der starke Verkehr und der Lärm ist ein grosses Problem an der Feldbergstrasse. Familien mit kleinen Kindern ziehen weg, da es unvorstellbar wird mit Kindern, die selber raus wollen an dieser stark befahrenen Strasse zu wohnen. Anwohner Christian Müller findet den Dreck und den Platzverbrauch des Verkehrs zu viel. Dieselbusse vor der Türe will er nicht mehr. Anwohner wollen nicht im Dreck der anderen sitzen und sie fordern nach Massnahmen.

Alain Groff, Leiter Amt für Mobilität (BVD), klärte gleich zu Anfang, dass es nicht um die Wahl zwischen „versticken oder verlärmen“ gehen kann,  es gehe um möglichst gute Luft- und Lebensqualität für alle.

Dem widerspricht auch Christoph Haller, Grossrat, Präsident TCS Schweiz, nicht. Schadstoffarme Elektro- oder Trolleybusse sollen unbedingt eingesetzt werden. Sie seien besser als ein Tram, das den Fluss der Autos behindere. Die Feldbergstrasse als wichtige Verbindung zum Spital, umso mehr seit die Mittlere Brücke gesperrt ist, darf nicht mit einem Tram blockiert werden.

Stephan Lüthi, SP-Grossrat will hingegen die Durchgangsstrassen durch die Stadt nicht offerieren - der Verkehr soll aussen rum über die Nordtangente geführt werden. Dabei soll nicht der Verkehr der Ansässigen und des Gewerbes verdrängt werden, sondern der Durchgangsverkehr.

Andrea von Känel, Amtsleiter Lufthygieneamt, spricht deutliche Wortet: Wenn Luft Wasser wäre, dann würde am Hahn an der Feldbergstrasse stehen: Kein Trinkwasser! Man darf atmen, aber die Grenzwerte von Stickoxid werden im Jahresmittel massiv überschritten.  Wir haben den Auftrag des Bundesrates, diese Belastung zu senken und Massnahmen zu finden, die Verursacher - also den Verkehr - zu verringern. Fahrzeuge, die nicht unbedingt durch die Feldbergstrasse müssen, sollen über eine Hochleistungsstrasse fahren. Wer ins Quartier muss, darf natürlich weiterhin. Dies würde eine Entlastung von ca. 30% mit sich bringen. Eine weitere Möglichkeit zur Luftverbesserung wären schadstoffarme Fahrzeuge, deren Entwicklung aber noch Zeit brauchen.

Tram verdrängt Autos

Wird der Verkehr durch die Feldbergstrasse behindert, suchen sich die Autofahrenden einen anderen Weg durch das Quartier. Das kann ja niemand wollen. Jedenfalls zweifeln die Autofahrenden an der Aussage, dass eine Tramlinie eine attraktive  Lösung sei, die mehr Leute dazu bringe, den öffentlichen Verkehr zu benutzen. Es sei ein Bedürfnis mit dem Auto zu traversieren.

Urs Müller, Grossrat (BAstA!), ist überzeugt, dass eine Verbesserung der Luftqualität nur möglich wird mittels anderer Zusammensetzung des Verkehrs.

Nadine Rohner, Bus30-Benützerin, verteidigt ihren Bus und warnt vor Problemen, die eine Tramlinie auf Grossbasler Seite mit sich bringen würde. Sie ist dagegen den Verkehrsfluss mittels Tram zu stoppen, da der Lärm durch Anhalten,  Motor aus - Motor ein zunehmen wird.

Rainer Franzen, der Projektleiter Tramnetz 2020, lässt zurzeit prüfen, ob ein «Tram 30» überhaupt möglich wäre. Platz für durchgehend getrennte Trassen ist nicht vorhanden. Diese Aussage nahmen die Autobefürworter zum Anlass, um nochmals darauf hinzuweisen, dass ein Tram zu Stau führt und zu schlechterer Luft. Fahrzeuge im Stop-and-Go-Modus brauchen mehr Benzin.

Andrea von Känel, der für die Feldbergstrasse die Variante «Dosierstation» prüft, will mit Tempo 30 und einer Tramlinie einen flüssigen Verkehr erreichen. Traversierende Autos gingen dann anderswo durch und damit würde der Verkehr reduziert. Jedes Auto, das durch den Rheintunnel oder eine andere Hauptachse fährt, ist ein Gewinn für die Anwohner.

Trotzdem ist man bei der Frage ob Tram oder Bus auch bei den  Anwohnenden uneinig. Da gibt es Befürworter moderner Busse, welche die gleiche Kapazität wie Trams haben sollen.  Und andere monieren, dass die Trams doppelt so viel Feinstaub mit metallenen Rädern und Schienen wie Autos produzieren.

Grossrat Stephan Lüthi appelliert daher an die Eigenverantwortung. Jede Person soll sich jeden Tag die Frage stellen, brauche ich ein Auto und warum? Basel ist eine kleine Stadt, Fussgänger- und Velodistanzen sind absolut praktikabel, ausser man ist aus gesundheitlichen oder arbeitstechnisch wirklich darauf angewiesen das Auto zu benutzen.

Daniel Seiler, FDP, die Frage auf, ob es sich überhaupt noch lohne ein Tram zu diskutieren, da die BVB ab 2027 nur noch mit erneuerbaren Energien fahren darf. Damit wäre eine Lösung mit elektrischen Bussen absehbar. Zudem sollen Hochleistungsstrassen wirklich funktionieren, dann fährt niemand mehr durch die Feldbergstrasse. Die Autos und das Gewerbe zu verdrängen, macht die Leute hässig.

Beat Leuthardt, Komitee Pro Tram meint, dass Steinzeitargumente mit Ausspielen der Möglichkeiten Tram oder Trolley nicht mehr zeitgemäss seien. Es gibt eine Verpflichtung zu 10% weniger Verkehr in der Stadt. Es muss einen massiven Einschnitt geben und diese Schneise von den Autos befreit werden.

Der Wunsch nach einem funktionierenden Ring um die Stadt wird immer wieder geäussert. Ein Teil ist mit der Nord- und Osttangente schon gebaut. Dies reiche um den Verkehr um Stadt herum zu führen. Den Ring zu schliessen, würde aber bedeuten neuen Verkehr hervorzurufen. Auch wenn der Ring lückenlos geschlossen würde, wäre die erst ca. 2030 – 2040 möglich. Aber die Feldbergstrasse braucht jetzt eine Lösung.

Sabine Gerber, umverkehr, staunt darüber, dass  so viele Fachleute da sind und keine Lösung finden. Ziel muss sein, nicht mehr so viele Autos in die Stadt zu lassen, und jene, die durch müssen, flüssiger durch zu lassen.

Zum Schluss bringt Priska Plüss, Ressortleiterin Verkehrslärm, Amt für Umwelt und Energie, die Diskussion mit ihrer Frage auf den Punkt: Gibt es ein Recht, andere Menschen zu «belärmen und zu bestinken»?

Wir nehmen in Kauf, was der Individualverkehr verursacht - nämlich Lärm und Gestank. Lärm-mindernde Beläge und Tempoverringerung reichen nicht aus, um diese Emissionen einzudämmen.  Also liegt es an der Menge, die reduziert werden muss! Nur so können die gesetzlichen Vorgaben einhalten werden. Es führt nichts an einer Reduktion des Verkehrs vorbei.

Wir diskutierten mit folgenden Gästen:
Alain Groff, Leiter Amt für Mobilität, Bau- und Verkehrsdepartement (BVD)
Rainer Franzen, Projektleiter Tramnetz 2020, BVD
Andrea von Känel, Amtsleiter Lufthygieneamt
Priska Plüss, Ressortleiterin Verkehrslärm, Amt für Umwelt und Energie
Sabine Gerber, Umverkehr Regionalgruppe Basel
Christoph Haller, Grossrat, Präsident TCS
Stephan Lüthi-Brüderlin, GR, Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission (UVEK)
Fabian Putzing Projektleiter Politik und Prävention – Luft und Gesundheit, Lungenliga Schweiz
Hansruedi Steiner, Anwohnender Feldbergstrasse

Nach oben


Siebtes kleinStadtgespräch: Hochhäuser - eine Antwort auf Wohnungsnot?

Sarah Thaler 22.01.2015

Nein, ganz so einfach ist es wohl nicht, darin war man sich ziemlich einig im Hotel Balade. Auch wenn prinzipiell niemand etwas gegen Hochhäuser hat, können sie allein auch nicht den Wohnungsmangel beseitigen.

Am kleinStadtgespräch zeigte sich, dass es bei der Ablehnung von Hochhausbauten meist weniger um ein „gegen“ das Hochhaus geht als vielmehr um ein „für“ den Erhalt von dem was an dieser Stelle ist. Seien es historische Gebäude, wie im Fall vom Claraturm oder der Grüngürtel, wie im Falle von Riehen.

Klar ist auch, Basel Stadt kann nicht endlos in die Breite wachsen, von allen Seiten gibt es Grenzen, sowohl Kantons als auch Ländergrenzen. Eine Lösung könnte hier bezüglich Bereitstellung von Wohnraum das Verhandeln mit Baselland sein. Auch eine Kombination aus Hochhausbauten, Aufstocken von bereits bestehenden Gebäuden oder die Umnutzung von Büroräumlichkeiten könnten dem begrenzten Raum Rechnung tragen.
Um in Basel eine Vielfalt an Wohnraum für grosse und kleine Budgets zu schaffen, empfiehlt sich für Regierungsrat Wessels vor allem der Blick auf Areale, deren Umnutzung keinen Wohnraumverlust darstellt, wie beispielsweise das Felix-Platter-Spital oder die Erlenmatt.

Als Antwort auf die Wohnungsnot sieht man auch Containerwohnungen. Problematisch hierbei ist jedoch, dass die rechtlichen Vorgaben für die Einrichtung einer geeigneten Infrastruktur von Sanitäranlagen, Strom usw. diese scheinbar einfache Wohnmöglichkeit sehr teuer und letztendlich kaum bezahlbar macht.

Das Leben im Hochhaus hat wohl seine Vorzüge, wie zwei Bewohnende den übrigen Gesprächsteilnehmenden, von denen niemand in einem Hochhaus wohnt, erklärten. Es sei beim Bau von Hochhäusern essentiell, darauf zu achten, dass die Gebäude nicht zu nahe stehen. Einerseits wegen der vieldiskutierten Schattenwürfe, andererseits wegen dem Gefühl von Weite, welches das Wohnen in den oberen Stockwerken eines Hochhauses so besonders macht.

Wichtig bei der Planung von Hochhäusern ist auch laut  Anne Burri, die im Kanton Bern als Expertin im Qualitätsteam des Regionalen Hochhauskonzepts der Region Bern (www.bernmittelland.ch),  mitwirkt, die sozialen Faktoren zu beachten. Dies ist zum Beispiel auch die Einbindung des Hochhauses und seiner Bewohner ins umliegende Quartier.

Für Michel Steiner, Gassenarbeiter beim Schwarzer Peter, der für 300 wohnungslose Menschen ein zuhause sucht, sind Diskussionen um Schattenwurf und Grüngürtel Luxusprobleme. Seine Klientel braucht dringend bezahlbare Wohnmöglichkeiten, derartige Ansprüche würden sie nicht stellen.

Ursache für die Wohnungsnot liegt alles in allem wohl weniger darin, dass Basel Stadt zu wenig Wohnraum hat, sondern am gestiegenen individuellen Flächenbedarf. Wo im letzten Jahrhundert eine ganze Familie wohnte, lebt heute oft eine Einzelperson.
Wäre eine Lösung für die Wohnungsnot also, Menschen fürs „Zusammenrücken“ zu begeistern?

Unsere Gäste waren:
Hans-Peter Wessels, Regierungsrat, BVD
Regula Küng, Leiterin Fachstelle Wohnraumentwicklung, PD
Rainer Volman, Projektleiter Zonenplan Basel Ost
Klaus Mehrtens, Bewohner Hochhaus Schorenweg
Michel Steiner, Gassenarbeit Schwarzer Peter
Anne Burri, Büro für soziale Arbeit, Expertin im Qualitätsteam des Regionalen Hochhauskonzepts der Region Bern (www.bernmittelland.ch)£Linda Stibler, Kannenfeldhochhaus
Andreas Bernauer (nein Claraturm)

Nach oben