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kleinStadtgespräche 2017

Neuntes kleinStadtgespräch: Was bringt der Kasernenumbau der Innenstadt?

Befürworter wie Gegner sind sich einig, dass die Kaserne saniert werden muss. Für welche Nutzung, unter welcher Trägerschaft -  privat oder staatlich -  fanden sie aber keinen gemeinsamen Nenner.

Auf wirtschaftliche Aspekte angesprochen, meint Matthias Böhm, Pro Innenstadt, dass die Stadt mehr im Ganzen gesehen werden muss. Mit einem breiten Angebot an Gastronomie, Kultur und Dienstleistungen,  profitieren auch die Geschäfte. Im Zeitalter der Digitalisierung ändern sich die Konsumbedürfnisse: nicht nur 24-Stunden-Shopping, die Besucher von heute und morgen wollen Erlebnisräume, Begegnungen, an einem Platz verweilen, essen und trinken und vielleicht noch Kultur. Nutzungen sind nicht planbar, daher plädierte er dafür, das Konzept möglichst flexibel zu halten. Er listet positive Beispiele in Basel auf wie das Bollwerk oder den Hinterhof auf dem Wolf, die es mit kreativen Konzepten geschafft haben, abgelegene Gegenden zu Anziehungsorten zu machen. In der Kaserne biete sich ein Raum, wo Nutzungen einander ergänzen und ins ganze Quartier ausstrahlen werden.

Kritik an der staatlich organisierten Nutzung und den hohen Kosten äussert Luca Urgese, FDP. Das Referendumskomitee bezweifelt, dass der Betrieb selbsttragend wird. Ein weiterer Gast bemängelt den fehlenden Mut etwas Grossartiges zu planen, Basel verpasse hier eine Chance für eine Tate Galerie. Auch unter den Gegnern ist eine Sanierung der Kaserne unbestritten, aber man wehrt sich gegen das Betriebskonzept, das nach dem Top-Down-Prinzip vom Staat ausgerichtet sei oder zu wenig konkret ein Bild der zukünftig Nutzenden gebe. Angesprochen auf einen Gegenvorschlag, wird die Vergabe im Baurecht an eine gemeinnützige Trägerschaft als Lösung genannt.

Die anwesenden Kreativen widersprechen der Kritik des Top-Down vehement: Das heute offene Nutzungskonzept sei bottom-up entstanden und die Richtlinien der Kantons sicherten ihnen gerade hier den Zugang zur Nutzung, was bei einem Privaten viel weniger der Fall wäre.

Eine 18-jährige wünscht sich das Projekt wie geplant zu verfolgen und für ihre Zukunft offen zu lassen. Sie freue sich auf einen gedeckten Raum in der Stadt, wo sie ohne Konsumzwang sein könne. Es soll jetzt mit der Kaserne weitergehen und damit spricht sie vielen aus der Seele.

Von den Befürwortern wird mehrmals betont, dass ein mehrheitsfähiges Projekt vorliege, das mit der Öffnung zum Rhein über zwei Etagen und den Erhalt der historischen Fassade einen guten Kompromiss darstelle.

Was passiert, wenn die Vorlage nun abgelehnt wird? Thomas Fries erklärt die Abläufe in der Verwaltung: Bei einer Ablehnung würde ein neuer Ratschlag für einen Projektierungskredit notwendig. Mit den zu bewilligenden Finanzen wird die Planung neu aufgerollt – die «Büchse der Pandora» aller denkbaren Möglichkeiten würde neu geöffnet, wie ein weiterer Teilnehmer einbringt. Die nächsten Jahre würde dann gar nichts passieren. Genau das befürchten viele der seit 40 Jahren auf dem Areal Engagierten, die eine Weiterentwicklung der Kaserne noch erleben wollen.

Auf den Punkt bringt es Tino Krattiger zum Schluss des Gesprächs auf die Frage, was man denn finanziere, wenn der aktuelle Vorschlag abgelehnt würde: «Geben wir dann 32 Mio. aus für die Sanierung der Kaserne, damit sie zwei Wochen im Jahr als Kulisse und Umkleidekabine des Tattoo Basel genutzt werden kann? Wollen wir das wirklich?»

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