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Zündstoff 2018

"Welche Dichte ist erstrebenswert?" 23.04.2018

Fast 100 Interessierte kamen zum Auftakt der Veranstaltungsreihe «Zündstoff» in die Matthäuskirche und diskutierten mit den Experten das Thema Dichte.

Axel Schubert erklärte anschaulich in seinem Input, welche Argumente für eine höhere Dichte sprechen und wo wir genauer hinschauen müssen. Wenn man von Dichte spricht, unterscheidet man die Bevölkerungsdichte (pro ha), Belegungsdichte (pro Wohnung), bauliche Dichte (Ausnützungsziffer) und Interaktionsdichte. Hierbei das rechte Mass zu finden, ist höchst komplex. Vor pauschalen Bewertung anhand von Zahlen wird gewarnt: erst die Differenzierung nach Nutzungen, Dichte von Wohnen und Dienstleistungen bestimmen den Mehrwert. Ebenfalls entscheidend ist: bringt bauliche Verdichtung auch Wohnraum für mehr BewohnerInnen? Der allgemein hohe Wohnflächenverbrauch generiert mehr bauliche, aber nicht Bevölkerungsdichte. Fazit ist, in der Stadt braucht es Dichte(n). Wichtig ist aber die Frage nach der Qualität. Was leistet Verdichtung für mein Lebens- und Wohnumfeld? Wie respektiert ein Projekt den Quartierkontext? Welchen Mehrwert hat die Nachbarschaft? Und wer entscheidet über diese Qualitäten?

In der Diskussion mit Joelle Zimmerli (Soziologin), Daniel Baur (Landschaftsarchitekt) und Beat Suter (Raumplaner) wurde Dichte auch als kulturelle Herausforderung bezeichnet: Dichte erzeugt wohlwollende Toleranz, allerdings entstehen durch Dichte aber auch Reibungen, mit denen man umgehen muss oder darf. Die Einstellung spiele für die Akzeptanz von Dichte durchaus eine Rolle. So zeige eine Akzeptanzstudie, dass in (dichten) Innenstädten die Sorge bei Verdichtung die Verdrängung der Vielfalt ist und in weniger dichten Gebieten ist es die Sorge um den Verlust von Grünraum und dass der Nachbar zu nah käme. Hier könnte eine positive Einstellung zu Reibungen durch Nähe=Dichte helfen – denn eine Stadt ohne Reibungen oder Konflikte gibt es nicht.

Grundsätzlich greift der Diskurs um die Dichte wie er bisher geführt wird, jedoch zu kurz. Denn Dichte ist kein ausschliessliches Thema des Städtebaus oder der Architektur. Es ist ein soziales Thema und die StadtbewohnerInnen müssen ihre Anforderungen an Dichte, Angebote, Qualitäten, Diversität und Durchlässigkeit in die Stadtentwicklung einbringen und einbringen können.

Denn wer profitiert von der Dichte? Es sollten nicht nur die Investoren sein, sondern die Nachbarschaft. Mit Dichte sollten Qualitäten entstehen und bestenfalls sogar Defizite behoben werden. Es braucht also mehr Diskussionen über die Qualitäten; über unsere Idee von Stadt;  darüber, wie durchlässig wir unsere Stadt für künftige Entwicklungen halten; über den Charakter der Stadt, der Quartiere. Diese Diskussionen sollten mit und zwischen den BewohnerInnen der Stadt geführt werden. Denn: Qualität ist etwas, um das man streiten muss!


"Recht auf Wohnen?" 28.05.2018

Recht auf Wohnen steht sowohl für Vertreterinnen und Vertreter des Initiativkommitees wie der Gegner nicht zur Debatte. Allerdings scheiden sich die Geister an der Verankerung des Rechts in der Kantonsverfassung. Dies zeigte die Diskussion an der zweiten Zündstoffveranstaltung, die trotz guten Wetters wieder 100 Personen in die Matthäuskirche lockte.
E. Hauri vom Bundesamt für Wohnungswesen stellte in seinem Eingangsreferat die Tendenzen auf dem Schweizer und insbesondere dem Basler Wohnungsmarkt dar und zeigte die sich abzeichnende Trendwende, dass der angespannte Wohnungsmarkt seinen Peak überschritten hätte. Bei den Marktaussichten wies er ausserdem daraufhin, das benachteiligte Personen auch bei entspanntem Wohnungsmarkt Schwierigkeiten haben, eine Wohnung zu finden.

In der anschliessenden Podiumsdiskussion mit Patricia von Falkenstein (LDP-Präsidentin und Vertreterin Hauseigentümerverband) und Georg Mattmüller (IG Wohnen und Vertreter des Initiativkomitees) wurde der Dissenz zwischen Befürwortern und Gegnern offenbar. Streitpunkt ist die Verankerung des Rechts auf Wohnen in der Verfassung: überflüssig oder notwendig? Die Befürworter sehen es als Signal an die Regierung, mehr wohnungspolitische Massnahmen zu ergreifen. Die gegnerische Seite zweifelt an der Sinnhaftigkeit eines nicht justiziablen Rechts und zweifelt an, ob das Ziel damit erreicht würde.

 

Die angeregte Diskussion mit dem Publikum zeigte, dass der Handlungsbedarf auf dem Wohnungsmarkt – sei es mit dem Angebot preisgünstigen Wohnraums oder mit Beratungs- und Unterstützungsangeboten für benachteiligte Personen – als dringend erachtet wird und die Initiative Ausdruck der Unzufriedenheit mit den derzeitigen Massnahmen ist.