«kleinStadtgespräche» 2021

Fünfzehntes «kleinStadtgespräch»

«Unsere vermüllte Stadt – was können wir tun?»

Montag 6.09.2021 von 19-20.30 Uhr
Didi Offensiv — Fussballkulturbar, Erasmusplatz 12, 4057 Basel

Der Umgang mit Abfall - ein Thema so vielfältig wie unsere Quar­tier­be­völ­ke­rung und deren Meinung dazu. Illegal deponierter Sperrmüll, für Hausmüll missbrauchte Wertstoffsammelstellen, zu Unzeiten bereitgestellte Bebbisäcke und auch Littering sind nach wie vor grosse Themen. Ärgern reicht nicht – es braucht Lösungsansätze!

Unsere Gäste:

Dominik Egli, Leiter Stadtreinigung, BVD / Timo Weber, Projektleiter Abfallprävention, Amt für Umwelt und Energie / Simon Leuenberger, Kreisleiter Unterhaltskreis Kleinbasel, Stadtgärtnerei / Michel Hostettler, Leiter Ressort Community Policing, Kantonspolizei Basel-Stadt / Maya und Holger Müller, Anwohnende /   Lukas Riesen, Vito Pizza/Gastronomie / Andrea Giovanni Käppeli, Fotograf und eleganter Abfallsammler im St Johann / Franziska von Blarer, Litter Lemons / Peter Mötteli, Verein Rhein­pro­me­na­de Kleinbasel / Cordula Haws-Bilger, Ambassadoren, Er­len­matt / Astrid Sommerhalder&Beat Inäbnit, Abfalljäger, Abfallsammlergruppe Region Basel.

Mit Lust Abfall sammeln, oder doch lieber vermeiden?

Müll in Basel - was genau ist das Problem?
Die vielen Gäste am kleinStadtgepräch wissen genau was sie stört: Littering, also Müll, der einfach fallen gelassen wird und die illegalen Mülldeponien wie z.B. in der Müllheimerstrasse, wo zu illegal rausgestelltem Abfall sich noch weiterer dazu findet. Der illegal entsorgte Hausmüll in den öffentlichen Abfallbehältern stört dagegen eher die Stadtreinigung….

Es ist ja nicht so, dass Basel nichts unternimmt: Die kantonale Strategie gegen Littering umfasst Sensibilisierung, den Einbezug des Gewerbes (Basler Littering Gespräche), Mehrweggeschirrpflicht für Veranstaltungen, Repression (Abfallpolizei verteilt Ordnungsbussen, ca. 2000 Bussen pro Jahr) und Reinigung (inkl. Monitoring, wo besonders viel Abfall anfällt). Es wird schon viel gemacht und geputzt - und trotzdem geht die Vermüllung weiter…

Würden mehr Abfallbehälter helfen?
Da ist die Stadtreinigung in einem Zielkonflikt, denn 50% des Abfalls in den öffentlichen Abfallbehältern ist illegal entsorgter Hausmüll. Und gemäss schweizerisch geltendem Verursacherprinzip ist DAS nicht rechtens. Mehr Abfallbehälter = mehr illegal entsorgter Hausmüll. Dagegen spricht auch die Empirie: gegen Littering, also den einfach fallen gelassenen Müll, helfen Abfallbehälter wenig bis gar nicht.

Littering findet überall statt und vor allem nachts. Wir halten uns immer länger im öffentlichen Raum auf, trinken, essen und feiern dort (pandemiebedingt noch mehr!) – und das 24 Stunden lang. 52% des gelitterten Abfalls sind Getränke- und Take-Away-Verpackungen. Und anscheinend ist Abfall mitnehmen uncool, irgendwie nicht angesagt – oder zumindest nicht «geächtet» genug. Und ausserdem wird ja hinterher alles weggeputzt und sauber gemacht….

Was würde denn wirken? Mehr Putzen?
Neben Stadtreinigung und Stadtgärtnerei (Parks- und Grünanlagen) putzen auch noch  Privatpersonen oder private Initiativen in der Stadt:

Zum Beispiel die Abfalljäger (Beat Inäbnit und Astrid Sommerhalder) mit rund 200 Mitgliedern, die sich via Facebook organisieren und seit 2020 in Basel- Stadt und Basel-Land von Montag bis Samstag Abfall sammeln. 2020 haben sie insgesamt 40'000 l Abfall gesammelt. Bis Ende August 2021 waren es schon 28'000 l.

Oder Andreas G. Käppeli, der elegante Abfallsammler vom St. Johann. Er sammelt Samstag und Sonntagmorgen im St. Johann den Partyabfall auf. Und dann gibt es noch ungezählte Privatpersonen, die sich heimlich um die Sauberkeit ihrer Strasse kümmern, da Abfall immer auch weiteren Abfall nach sich zieht und sie das stört.

Braucht es davon vielleicht noch mehr?
Die Stadtreinigung jedenfalls bietet allen privaten Engagierten Unterstützung an (Entsorgung des Mülls). Auch wenn ihr Grundtenor ist: So viel kann man gar nicht putzen, wie vermüllt wird. Und die Gewöhnung daran (es wird ja hinter mir aufgeräumt) ist auch nicht gerade förderlich.

Oder würden mehr Kontrollen und Bussen wirken?
Einige der Anwesenden sprachen sich für mehr Repression aus, da Prävention und Sensibilisierung nicht wirken würden. Nur leider: Polizei und Abfallkontrolleure müssen gut sichtbar in Uniform unterwegs sein, wenn sie denn die Missetäter in Flagranti erwischen und büssen sollen.

Im Grunde geht Abfall UNS ALLE an und WIR müssen etwas machen.

1. Alle aktiven Abfallsammler und Abfallsammlerinnen wie Abfalljäger, Litter Lemons und alle Quartierbewohnende ziehen als eine grosse Blase/Streetparade durch die Stadt und zeigen: Abfallsammeln macht Spass….

2. Belohnen statt bestrafen. Dazu gab es verschiedene Vorschläge bspw. im Rahmen von Wettbewerben bspw. finanziert vom PD, Projektfonds: Den Wettbewerb «Unsere saubere Strasse» oder «Die fleissigste AbfallsammlerIn»

3. Abfall-Patenschaft für Strassenzug oder Block: Die Patin/der Pate berät, schaut und sammelt, hilft bei der Entsorgung, klärt auf usw.

4. Mentalitätswechsel: es muss hip werden, seinen Müll wieder mitzunehmen bzw. peinlich, ihn liegen zu lassen. Aber wie? Vielleicht mit den Sensibilisierungsmassnahmen «Abfall-Streetparade» und Strassenwettbewerb?

5. Abfallvermeidung: Um Depot auf Getränkeflaschen (auch PET) und weitere Massnahmen zur Abfallvermeidung durchzubringen, bräuchte es wohl politischen Effort….

Und es wurde ausserdem nochmal bei der Stadtreinigung deponiert: bitte probiert nochmals das Abfalltrennsystem am Rhein, auch wenn bei der Versuchssaison nur 2 % des dort angefallenen Abfalls getrennt eingegeben wurden. Am besten beim erneuten Versuch in der Wintersaison starten, damit man sich schon mal dran gewöhnen kann.

Aber nichtsdestotrotz: Die Stadtreinigung kann nur putzen, aber sauber halten, müssen wir die Stadt alle zusammen!

Sechzehntes «kleinStadtgespräch»

Wem gehört der Himmel über Basel?

Montag 18.10.2021 von 19-20.30 Uhr

Hochhäuser – gibt es eine Grenze nach oben? Lufthoheit nur für eine Teilöffentlichkeit? Ausblick als Privileg? Sind Hochhäuser eine Antwort auf den wachsenden Flächenbedarf oder eine unübersehbare Demonstration wirtschaftlicher Potenz? Früher wurden Gesellschaftsstrukturen und Hierarchien durch Kirchen und Burgen sichtbar gemacht, übernehmen heute Büro- und Wohnhochhäuser diese Funktion?

Siebzehntes «kleinStadtgespräch»

Nutzungskonflikte im Milieu

Mittwoch 17.11.2021 von 19-20.30 Uhr
Wo? Didi Offensiv — Fussballkulturbar, Erasmusplatz 12, 4057 Basel

Gefordert werden Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit, Ruhe und Ordnung in der Toleranzzone im Kleinbasel. Die früher gut funktionierende Mischung aus Gewerbe, Wohnen und Vergnügungsmeile ist durch die Ausbreitung der Drogenszene in Gefahr, sagen Anwohnende. Was hilft? Harte Hand oder Dialog und Toleranz?